Archiv der Kategorie: Geldsystem

Schweden und die Abschaffung des Bargelds

Ein Artikel von: Jens Berger

Schweden gilt schon seit längerem als Vorreiter bei der Abschaffung des Bargelds. Glaubt man einer aktuellen Studie des schwedischen Handelsrates wird das Bargeld bereits ab 2023 im täglichen Zahlungsverkehr keine Rolle mehr spielen. Damit wären die schwedischen Privatbanken am Ziel einer langwährenden Kampagne ankommen, die eine neue Ära einläutet, die de facto das Ende des staatlichen Geldmonopols besiegeln und für sie damit bislang ungeahnte Verdienstmöglichkeiten eröffnen könnte. Die Risiken und Nebenwirkungen dieser Entwicklung sind jedoch gewaltig und der einzige denkbare Vorteil für den Endkunden ist und bleibt die „Bequemlichkeit“.

Wenn es um den Siegeszug bargeldloser Zahlungssysteme geht, wird Schweden gerne als Pionier dargestellt. In Schweden kann man bereits die Parkuhr und die öffentliche Toilette per App auf dem Smartphone bezahlen und selbst Obdachlose sollen Medienberichten zufolge Kartenlesegeräte und Terminals haben, die eine bargeldlose Spende ermöglichen. Ob das stimmt, sei dahingestellt – zynisch ist es jedoch allemal.

Dennoch – die Zahl der digitalen Transaktionen im schwedischen Einzelhandel ist in den letzten fünf Jahren von 3,6 auf über fünf Milliarden gestiegen. Nach Stichproben der schwedischen Reichsbank werden heute nur noch 13% der Zahlungen im Einzelhandel in bar vorgenommen. In Deutschland werden 78% aller Zahlungen im Einzelhandel in bar abgewickelt. Diese Zahlen sind eindeutig, aber auch interpretationsbedürftig. Denn die „Liebe“ der Schweden zum bargeldlosen Bezahlen, ist keineswegs so freiwillig, wie es gerne dargestellt wird.

Der erste Schritt zur Abschaffung des Bargelds in Schweden war dessen Verknappung und Verteuerung. Nachdem die Reichsbank sich schrittweise aus den Dienstleistungen rund um die Bargeldversorgung zurückgezogen und diese Aufgaben privatisiert hat, sind die Kosten für die Bargeldabwicklung des Einzelhandels massiv gestiegen. Nach Angaben der Reichsbank muss der Handel bei Barzahlung rund 4% des Umsatzes für direkte Nebenkosten (Tageskasse, Transport, Einzahlen und Abheben) einkalkulieren. In Deutschland sind es nur 0,9%[*]. In Branchen wie den Discountern und Vollsortimentsupermärkten mit Gewinnmargen iHv rund 2% des Umsatzes sind dies Welten.

Umgekehrt sind bargeldlose Transaktionen mit etwa 0,4% deutlich preiswerter als in Deutschland, wo die Kosten je nach Art und Anbieter zwischen 0,35% und 1,44% rangieren. Diese Kosten fallen wohlgemerkt bei jeder einzelnen Transaktion an und die Banken kassieren somit bei jedem einzelnen Einkauf mit – zwischen 0,2% und 1,3% des Umsatzes entfallen in Deutschland auf die reinen Transaktionskosten. Das hört sich zwar wenig an, es geht jedoch in Deutschland um einen Gesamt-Einzelhandelsumsatz in Höhe von 535 Milliarden Euro – ein Prozent davon sind mehr als fünf Milliarden Euro. Banken und Finanzdienstleister haben also handfeste materielle Gründe, um die Abkehr vom Bargeld zu propagieren.

Der Gewinner einer Abschaffung des Bargelds wären also an allererster Stelle die Banken und Finanzdienstleister, die über die Kontrolle der Zahlungsinfrastruktur bei jeder einzelnen Transaktion im Einzelhandel ihren „Zehnt“ abzwacken könnten. Dies ist den wenigsten Konsumenten klar, da diese Kosten ja in den Endkundenpreis „eingepreist“ werden und so nicht sichtbar sind. Doch dies ist nur ein Nachteil von vielen.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht ihren Banker

– Technische Abhängigkeit

Bargeld hat den großen Vorteil, dass es auch ohne Strom und Technik „funktioniert“. Je größer der technische Aufwand, desto größer ist auch die Gefahr technischer Fehler. Das Spektrum reicht hier von „dummen“ Fehlern auf der Nutzerebene bis zu flächendeckenden Ausfällen, die beispielsweise durch einen Stromausfall oder Softwarefehlern bei den unsichtbaren Algorithmen auf Serverebene den gesamten Einzelhandel lahmlegen könnten.

Ein Einfallstor für potentielle Probleme ist dabei natürlich auch der Endkunde selbst. Karten sind zerbrechlich und können zerkratzen und Smartphones und deren Betriebssysteme sind alles andere als sicher gegen Bedienerfehler. Zum einen versteht nun einmal nicht jeder Endkunde die Technik so gut wie die „Nerds“, die sie entwickelt haben, zum anderen sind Smartphones nun einmal komplexe Geräte, bei denen nicht nur der Nutzer, sondern auch die Hersteller und Softwareanbieter selbst potentielle Probleme ins System einschleusen können. Wenn nach einem „Sicherheitsupdate“ beispielsweise die regelmäßig vom Nutzer verwendete biometrische Verifizierung erst einmal über ein Zwei-Wege-Verfahren samt komplexem Passwort, das aus Sicherheitsgründen Sonderzeichen, Zahlen und Klein- und Großbuchstaben enthalten muss, neu freigeschaltet werden muss und man dieses Passwort schon längst vergessen hat, steht man an der Kasse dumm da – und wenn es sich beispielsweise um eine Autobahntankstelle im Ausland handelt, hat man ein echtes Problem.

Was auf persönlicher Ebene ein echtes Problem ist, mag gesamtgesellschaftlich ja mit einem Achselzucken hinzunehmen sein. Anders sieht dies jedoch bei den gesellschaftlichen Risiken aus. Eine bargeldlose Infrastruktur ist ein offenes Ziel par excellence für Cyberterroristen und elektronische Kriegsführung. Staaten wie die USA, die das technische know how haben, um über ihre Dienste auch komplexe Netzwerke zu sabotieren, hätten so die Macht, die komplette Ökonomie anderer Staaten vorübergehend oder gar dauerhaft lahmzulegen. Alleine schon aus sicherheitstechnischen Gründen ist dies ein schlagendes Argument gegen anfällige netzbasierte Techniken.

– Kriminalität

Von Anhängern bargeldloser Transaktionssystem hört man immer gerne das Argument, der Verzicht auf Bargeld habe positive Auswirkungen auf die Kriminalitätsrate. Doch dieses Argument ist kurzsichtig. Zwar ist die Zahl der Banküberfälle in Schweden von 2008 bis 2011 von 110 auf 16 gesunken – dafür ist jedoch auch die Zahl der „digitalen Straftaten“ vom Skimming, Phishing bis hin zu zahlreichen Formen des Kreditkartenbetrugs förmlich explodiert. Die Dunkelziffer dürfte hier alle Maßstäbe sprengen, wird jedoch penibel unter Verschluss gehalten. Die Dienstleistungen rund um das Bargeld sind nämlich in der Regel gut versichert, so dass die Versicherung beispielsweise im Falle eines Überfalls auf einen Geldtransport den Schaden trägt. Im bargeldlosen Zahlungsverkehr tragen jedoch die Banken in der Regel den entstehenden Schaden selbst und diese Summen sind natürlich ebenfalls „eingepreist“ und werden letztlich vom Kunden in Form der hohen Transaktionsgebühren übernommen, die dem Einzelhandel aufgebürdet werden. Die Kriminalität verlagert sich also nur von einem sichtbaren Feld (Bank- oder Geldtransportüberfall) in ein unsichtbares Feld (Computerkriminalität); sie verschwindet aber nicht. Ganz im Gegenteil.

– Datenschutz

Muss meine Bank im Detail wissen, für was ich wem Geld gebe? Muss der Staat dies wissen? Nein, natürlich nicht. Eines der Hauptprobleme bargeldloser Zahlungssysteme ist jedoch, dass genau diese Daten erhoben und gespeichert werden – und dies noch nicht einmal anonymisiert. So entsteht ein gewaltiger Datenschatz, der nur noch gehoben werden muss. Interessant für Datenhändler sind dabei vor allem Merkmale, anhand derer die Datensätze sich mit anderen Datenbanken verknüpfen lassen. Wer beispielsweise ihre persönlichen Daten von Google und Facebook bereits besitzt, ist im hohen Maße auch daran interessiert, für was sie im „echten Leben“ ihr Geld ausgeben.

Während Banken immer noch durch vergleichsweise strenge Datenschutzbestimmungen Kundendaten nicht einfach an externe Datenhändler verkaufen dürfen, sieht dies für digitale Zahlungssysteme über Apps schon ganz anders aus – zumal sie bei derartigen Anwendungen keine verlässliche Kontrolle haben, wer alles „mithört“ und „mitfunkt“. Die Zahlung via NFC, die beim kontaktlosen Zahlen momentan der Standard ist, läuft auf Betriebssystemebene ihres Smartphones ab. Das Betriebssystem stammt bei den meisten Smartphones von Google, dem Weltmarktführer für personenbezogene Datensätze. Wer glaubt, dass die Zahlungsdaten nicht verknüpft und in welcher Form auch immer gewinnbringend weitergehandelt werden, muss da schon sehr naiv sein.

– Ausgrenzung

Für technikaffine jungen Menschen, die NFC in ihrer Smartwatch implementiert haben und via Google oder Apple Pay über die Anbindung – und das nötige Kleingeld – verfügen, um selbst beim Bäcker um die Ecke schnell, einfach und kontaktlos bezahlen zu können, mag der bargeldlose Zahlungsverkehr ja eine bequeme Sache sein. Obgleich man sich natürlich auch hier fragen solle, wer denn eigentlich ernsthaft in der Lage ist, die einzelnen Transaktionen im Nachhinein noch zu Überprüfen. Stimmt die Rechnung über 23,40 Euro von Starbucks? In der Realität unterwirft sich der Kunde hier wohl eher auf Gedeih und Verderb der Technik – ein weiteres Einfallstor für Hacker und Cyberkriminelle.

Was passiert jedoch mit all jenen Menschen, die entweder aufgrund ihres Alters, unbestimmter gesundheitlicher oder psychischer Einschränkungen, ihrer Herkunft oder ihres sozialen Status nicht an der schönen bunten Welt der Apps und Kreditkarten teilnehmen können? Wie soll beispielsweise ein Blinder eine Zahlung verifizieren, die ihm auf einem Display angezeigt wird? Womit soll ein Obdachloser zahlen? Immerhin haben 670.000 erwachsene Deutsche noch nicht einmal ein Girokonto, das die Mindestvoraussetzung für die Teilhabe am bargeldlosen Zahlungsverkehr ist.

Um sich die Grenzen der Attraktivität solcher Zahlungssysteme vor Augen zu halten, lohnt oft schon ein Blick in die eigenen „Finanzverhältnisse“. Als ich beispielsweise noch Student war, kam es häufiger vor, dass am Ende des Monats eine vergessene oder verdrängte Abbuchung den Verfügungsrahmen gesprengt hat. Das war jedoch kein Problem, da man sich in einem solchen Fall gegenseitig aushelfen konnte und man sich ganz einfach ein paar Mark (heute Euro) von einem Freund leihen konnte. Am nächsten Monatsanfang war der Verfügungsrahmen wieder vorhanden und man zahlte das geliehene Bargeld zurück. In einer bargeldlosen Zukunft wäre das nicht mehr möglich. Und was für finanziell ein wenig liederliche Studenten gilt, gilt natürlich erst Recht für Erwerbslose und Menschen, die in prekären Arbeitsverhältnissen stecken und für die das Ende des Monats eine stetige finanzielle Sorge darstellt.

Wie schnell man selbst auch aus nicht finanziellen Gründen ausgegrenzt werden kann, erlebt man übrigens schon heute bei einem Besuch in den skandinavischen Ländern. Als Ausländer bekommt man kein schwedisches Konto, das wiederum eine notwendige Bedingung für die Nutzung der in Schweden so weit verbreiteten Bezahl-App „Swish“ ist. Da aber bereits viele Parkautomaten in Stockholm nur noch über diese App gefüttert werden können, ist es Touristen schon heute nicht möglich, legal in Stockholm zu Parken. Und auch der Einkauf gestaltet sich schon heute für Ausländer zu einem Problem, da in Schweden – anders als in den anderen skandinavischen Ländern – Geschäfte nicht verpflichtet sind, Bargeld zu akzeptieren.

Das Geldmonopol wird privatisiert

Wer an der schönen neuen bargeldlosen Welt teilhaben will, muss also Zugang zu einem Konto bei einer Geschäftsbank haben. Damit kommt den Banken eine Machtposition zu, die ihnen alleine schon aufgrund ihres faktischen Oligopols nicht zukommen dürfte. Die wohl wichtigste Geldfunktion ist die des Zahlungsmittels. Wenn diese Geldfunktion de facto einigen wenigen Geschäftsbanken überlassen wird, die ihrerseits die Preis, Bedingungen und den Zugang zum Zahlungssystem diktieren können, ist dies nichts weniger als die Teilprivatisierung des staatlichen Geldmonopols. Und wenn dieses Oligopol erst einmal die Macht dazu hat, werden die noch vergleichsweise günstigen Transaktionsgebühren in Ländern wie Schweden auch der Vergangenheit angehören. Private Banken sind nicht dem Allgemeinwohl und auch nicht der Volkswirtschaft sondern ihren Aktionären verpflichtet.

Mehr noch: Geld stellt – wirtschaftstheoretisch gesehen – ein Schuldverhältnis dar. In der Theorie ist jeder Geldschein eine Schuldverschreibung der Zentralbank. Guthaben auf Konten von Geschäftsbanken, Geldkarten oder digitale Guthaben sind jedoch nur eine Forderung an das ausgebende Institut bzw. den Betreiber der Bezahlsoftware. Dies mag in ruhigen Zeiten belanglos sein, wenn es jedoch zur nächsten Finanzkrise kommt, ist dieser Punkt von großem Interesse, da nun sämtliche Finanzdienstleister, die eine Gläubigerfunktion haben, plötzlich „systemrelevant“ werden, will man die Bezahlsysteme nicht implodieren lassen. Unser ohnehin bereits jetzt aus den Fugen geratenes Bankensystem würde durch die Abschaffung des Bargelds also bis ins letzte Glied „systemrelevant“. Ein solcher Status ist in einer Marktwirtschaft aber für private Unternehmen mit einer Gewinnerzielungsabsicht höchst problematisch und führt – wie die letzte Finanzkrise zeigt – zu Risiken, die das gesamte Wirtschaftssystem bedrohen können.

Wo bleibt der Staat?

Ein weiteres Kernproblem der aktuell stattfinden schleichenden Abschaffung des Bargelds ist die Untätigkeit des Staates. Selbst wenn man die Risiken einmal ausklammert und eine Umstellung auf einen bargeldlosen Zahlungsverkehr für erstrebenswert halten sollte, heißt dies ja noch lange nicht, dass dieser bargeldlose Zahlungsverkehr privatisiert werden muss. Ganz im Gegenteil! Die EZB arbeitet beispielsweise an einem Transfersystem namens TIPS , das Überweisungen quasi in Echtzeit zu Transaktionskosten von 0,2 Cent pro Transaktion ermöglichen und dabei eine Schnittstelle für Drittanbieter bereitstellen soll. Für die komplett überteuerten und datenschutzrechtlich problematischen Lösungen aus dem Finanzsektor oder gar von Google, Facebook, Apple und Co. gibt es also eigentlich gar keine Notwendigkeit. Der öffentliche Sektor könnte diese Dienstleistungen besser, billiger und risikorärmer zur Verfügung stellen. Doch erstaunlicherweise wird diese öffentliche Alternative noch nicht einmal ernsthaft debattiert.

In Schweden ist man jedoch bereits so weit, dass die nationale Zentralbank eine elektronische Währung erschaffen will. Das Besondere: Diese „E-Krone“ ist dann staatlich garantiert. Was sich nett anhört, ist jedoch eine Sollbruchstelle im System. Wenn für die „E-Krone“ der Staat vollumfänglich haftet und der Rest der digitalen Guthaben eine Forderung an den privaten Bankensektor darstellt, besteht bei aufkommenden Finanzkrisen das sehr reale Risiko eines „digitalen Bankruns“, also einer Umschichtung der Forderungen an die privaten Banken zu Forderungen an den Staat. Die Folgen unterscheiden sich nicht von einem realen Bankrun – das Bankensystem würde binnen kürzester Zeit zusammenbrechen.


[«*] Ohne die – ohnehin fragwürdigen – Lohnkosten für den Kassiervorgang, die bei den Zahlen aus Schweden auch nicht enthalten sind. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Es gibt in Deutschland eine deutliche Korrelation zwischen dem Transaktionsbetrag und der Zahlungsart. Da Debit- und Kreditkarten vermehrt für hohe Transaktionen eingesetzt werden, sinken bei dieser Zahlungsvariante die anteiligen fixen Kosten. Würden die Deutschen kleinere Beträge vermehrt bargeldlos bezahlen, würde die relativen Kosten (gemessen am Umsatz) für die Zahlungsabwicklung deutlich steigen.

Danke an Jens Berger von den NachDenkSeiten für diesen Artikel.
Markus

Möchtest Du diesen Beitrag teilen?

Die Krise des Kapitalismus vertieft sich

Der emeritierte U.S. Professor an der Massachusetts Universitiy und weltweit renomierte Ökonom Prof. Richard Wolff in einem Kontext-TV Iive Interview zu seinem Buch: „Die Krise des Kapitalismus vertieft sich, Essays über den globalen wirtschaftlichen Zusammenbruch.“

Quelle: Kontext-TV.de – die anderen Nachrichten

 

Hervorragender Vortrag, unbedingt sehenswert! Danke an Prof. Richard Wolff, Fabian Scheidler und Kontext-TV.

Markus

Möchtest Du diesen Beitrag teilen?

Eurozone: Schuldenstand steigt auf Rekord – SPIEGEL ONLINE

Dieser Rekord ist ein denkwürdiger: Der Schuldenberg in den Ländern der Euro-Zone ist im ersten Quartal auf 93,9 Prozent gestiegen. In der EU insgesamt stieg die Verschuldung der öffentlichen Haushalte auf 88 Prozent.

Berichtet der Spiegel hier:Eurozone: Schuldenstand steigt auf Rekord – SPIEGEL ONLINE.

Kann es sein, dass mit dem Säbelrasseln gegen Russland und der ganzen Kriegshetzerei von den eigentlichen Problemen des Westens abgelenkt werden soll?

Wenn es dann für jeden ersichtlich Bergab geht hätte man ja gleich den Schuldigen. So oder so das böse Russland!

Nach dem Motto der Westen hat Sanktionen gegen Russland verhängt und wenn es dem Westen dann finanziell schlecht geht, ist Russland schuld, weil der Westen ja Sanktionen vehängen musste. – Überhaupt ist Russland sowieso an allem Schuld, also auf in den Krieg gegen Russland!

Auf diese Schlagzeile in den Mainstreammedien freue ich mich schon heute!
Sie wird kommen,  – Wetten?!

Markus

Möchtest Du diesen Beitrag teilen?

Das Euro-Desaster (Kurzfassung)

Die Eurokrise ist mehr als eine bloße Staatsschuldenkrise. Es handelt sich um eine umfassende Strukturkrise der Gemeinschaftswährung. Die Politiker der Altparteien blenden diese Tatsache beharrlich aus. An der Währungsunion soll unverändert festgehalten werden – koste es, was es wolle. Dieser Kurzaufsatz zeigt die wahren Ursachen der Eurokrise auf und skizziert die enormen volkswirtschaftlichen Kosten, die das Währungsexperiment bisher verursacht hat und weiter verursachen wird, wenn kein Umdenken stattfindet. Sollten die Altparteien nach der Bundestagswahl mit ihren verfehlten Rettungsmanövern fortfahren, drohen nicht nur finanzielle, sondern auch massive politische Verwerfungen. Die Eurokrise hat das Zeug, die Fundamente, auf denen unser Gemeinwesen ruht, zu zerstören. Die Lage ist ernst: Demokratie, Rechtstaat, Frieden und wirtschaftliches Wohlergehen sind in Gefahr.

Die wahre Ursache der Krise
Seit drei Jahren erzählen Bundeskanzlerin Merkel und Bundesfinanzminister Schäuble den Bürgern, dass die Eurokrise eine Staatsschuldenkrise sei und sich diese Krise mit strikten Sparauflagen bewältigen ließe. Der Euro selbst sei nicht das Problem, behauptet die Bundesregierung.
Doch das stimmt nicht. In Wahrheit gehen die Probleme viel tiefer. Die Staatsschulden sind nur ein Teilaspekt der Eurokrise. Die Eurokrise ist im Kern eine schwere Strukturkrise der Gemeinschaftswährung. Und die Ursache für diese Strukturkrise ist der Euro selbst!
Durch die Ausschaltung des Wechselkursrisikos kam es im Zuge der Euro-Einführung zu einem einheitlichen Zinsniveau in der ganzen Eurozone.  Dieses einheitliche Zinsniveau führte zu einer Fehlsteuerung der Kapitalströme im gemeinsamen Währungsgebiet.
Das deutsche Sparkapital floss aus seiner Heimat ab. Zielländer waren die Volkswirtschaften Südeuropas und Irlands. Dort kam es durch den Kapitalzustrom zu einem durch billige Kredite getriebenen Boom. Das allgemeine Lohn- und Preisniveau stieg binnen weniger Jahre dramatisch an. Die betroffenen Länder importierten immer mehr und exportierten immer weniger. Heute sind diese Volkswirtschaften als Ganzes (Privathaushalte, Staat, Banken, Unternehmen) überschuldet und nicht mehr konkurrenzfähig.

Deutschland Hauptleidtragender des Euro
In Deutschland führte der Kapitalabfluss dagegen dazu, dass die Investitionstätigkeit einbrach. Dadurch geriet Deutschland ab dem Jahr 2000 in eine schwere, lang anhaltende Wirtschaftskrise.
Der Euro kostete die deutsche Volkswirtschaft von 2000 bis 2005 jedes Jahr durchschnittlich etwa 1,0 bis 1,5 Prozent Wachstum. Deutschland galt als der kranke Mann Europas. 2005 überschritt die Arbeitslosigkeit die 5-Millionen-Marke.  Die Arbeitnehmer und kleinen Selbständigen mussten auf Einkommenszuwächse verzichten. Die Reallöhne gingen sogar zurück. Das wirkt bis heute nach. Heute wäre  das deutsche Bruttoinlandsprodukt deutlich höher und jeder Arbeitnehmer und kleine Selbständige würde real 15 bis 20 Prozent mehr Geld in der Tasche haben, wenn es den Euro nie gegeben hätte.
Das Mantra, Deutschland sei der Hauptprofiteur des Euro, ist eine groteske Verdrehung der Realität!
Profiteure der Euroeinführung waren allein die Manager und Kapitaleigner der Exportindustrie. Sie haben zum einen von den sinkenden Reallöhnen profitiert. Und zum anderen verschafft der Euro ihren Unternehmen eine hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt, denn der Euro stellt für die leistungsstarke deutsche Wirtschaft  eine unterbewertete Währung dar. Für die Gesamtwirtschaft ist das aber nicht gut. Deutschland verkauft seine Waren zu billig, um damit seinen volkswirtschaftlichen Kapitalstock aufrechterhalten und fortentwickeln zu können. Stattdessen lebt die deutsche Volkswirtschaft von der Substanz. Bei der Infrastruktur tut sich mittlerweile eine Investitionslücke von 1 Billion Euro auf. Kaputte Straßen, gesperrte Brücken, baufällige Schulen, sanierungsbedürftige Abwassersysteme, fehlende Breitbandnetze, marode Kanäle – das sind die Kollateralschäden des Euro!

Gewaltige Haftungsrisiken
Aber stehen wir nicht besser da, als der Rest der EU? Es stimmt zwar, dass sich Deutschland wirtschaftlich seit 2007 besser schlägt, als die meisten anderen EU-Staaten, aber dafür ist nicht der Euro verantwortlich, sondern bezeichnenderweise das Nicht-Funktionieren der Gemeinschaftswährung. Seit 2007 trauen die Finanzmärkte den völlig überschuldeten Volkswirtschaften in der Peripherie der Eurozone nämlich nicht mehr über den Weg. Das deutsche Sparkapital  bleibt lieber zu Hause und steht deshalb wieder für Investitionen hierzulande zur Verfügung. Deutschland strömt sogar Kapital aus dem Ausland zu. Unser Land gilt als sicherer Hafen. Das hat zu einer kleinen Sonderkonjunktur in der Krise geführt, die vor allem vom Bausektor getragen wird, denn nun sind plötzlich die Kredite in Deutschland billig.
Anders dagegen in Südeuropa und Irland: Seit 2007 sind die Finanzmärkte nicht mehr bereit, dort den Konsum auf Pump zu ermöglichen. Dieser Konsum auf Pump ging aber trotzdem weiter. Die nationalen Notenbanken der Krisenstaaten haben mit Duldung der EZB  einfach Geld gedruckt und es den Geschäftsbanken ihres Landes gegeben, obwohl die Rückzahlung dieser Refinanzierungskredite mehr als zweifelhaft ist und die hinterlegten Sicherheiten oft nur noch Schrottwert besitzen. Den deutschen Steuerzahlern sind allein dadurch Haftungsrisken von über 500 Milliarden Euro entstanden. Dieser Riesenskandal ist unter dem Stichwort „TARGET2-Kredite“ bekannt geworden. Die deutschen Politiker haben dieses heiße Eisen bis heute nicht angefasst.
Neben den Haftungsrisiken aus den sogenannten TARGET2-Krediten kamen ab 2010 noch die Haftungsrisiken aus dem sogenannten Euro-Rettungsschirm hinzu. Doch mit all diesen Rettungsmaßnahmen hat man im Endeffekt nur Insolvenzverschleppung betrieben und ganz nebenbei  Banken, Hedgefonds und Großinvestoren aus deren Risikopositionen in den Krisenstaaten herausgehauen – alles auf Kosten der Steuerzahler.

Euro-Retter streben volle Schulden- und Transferunion an
Nun soll aber die große Lösung kommen. Am Euro soll nicht gerüttelt werden. Er ist für die Politiker „alternativlos“. Das Euro-Establishment hat sich deshalb 2012 zum Ziel gesetzt, nach der Bundestagswahl die vollständige Schulden- und Haftungsunion zu errichten und damit den alten Einheitszins wiederherzustellen. Denn dieser Schritt ist notwendig, wenn die Eurozone in der jetzigen Zusammensetzung weiter bestehen soll. Um das zu erreichen wollen die Euro-Retter eine gesamtschuldnerische Haftung für sämtliche Staatsschulden etablieren und die Haftungsrisiken für sämtliche faule Bankkredite vergemeinschaften.  Das heißt, dass der deutsche Steuerzahler die völlig zerrütteten Bankensysteme in Südeuropa sanieren soll.
Es geht um monströse Summen. Allein für die Rekapitalisierung der maroden Banken in der Eurozone dürften auf den deutsche Steuerzahler in den nächsten Jahren Belastungen im Umfang von 500 Milliarden bis 1 Billion Euro zurollen. Dazu wird man nach der Bundestagswahl sehr wahrscheinlich die Auszahlungssumme des ESM-Rettungsfonds ausweiten.
Die volle Schuldenunion ist allerdings nicht dazu geeignet, die Eurozone in ein stabiles Gleichgewicht zu bringen. Stattdessen würde nur der alte krankhafte Zustand wiederhergestellt, der bis zum Jahr 2007 herrschte. Die Strukturproblem der Krisenstaaten werden durch die „Rettungsmaßnahmen“ nicht behoben, sondern nur um den Preis massiver Wachstumsverluste in Deutschland sowie  Misswirtschaft und neuer Preis-Lohn-Blasen in Südeuropa für einige Zeit übertüncht.
Um die Eurozone in eine ein makroökonomisches Gleichgewicht zu bringen, werden die Euroretter über die volle Schuldenunion deshalb noch eine Transferunion spannen, die diese Ungleichgewichte austarieren soll. Deutschland wird dafür Jahr für Jahr etwa 100 Milliarden Euro ohne Gegenleistung zusätzlich an die Krisenstaaten abführen müssen.

Teilabwicklung der Währungsunion wirtschaftlich sinnvoll
Insgesamt bewegen sich die Kosten für ein Festhalten am Euro in seiner jetzigen Form in den nächsten 10 Jahren in der Größenordnung von 2350 Milliarden Euro!
In Zukunft wird also jeder Deutsche durchschnittlich ein ganzes Brutto-Monatseinkommen abtreten, nur damit der Euro erhalten bleibt, wenn es zu keinem Politikwechsel kommt. Nur der kleinere Teil dieser Summe wird freilich über direkte Steuern und Abgaben aufgebracht werden. Das meiste wird über Vermögensverluste durch Inflation und eine Verschlechterung des Angebots an öffentlichen Gütern (Infrastruktur, soziale und medizinische Leistungen, Bildung) realisiert werden.
Deutlich weniger belastend für Deutschland wäre die Alternative: eine Teilabwicklung der Währungsunion. Sie wäre mit etwa 1100 Milliarden Euro Kosten in den nächsten 10 Jahren auch kein Zuckerschlecken, aber für unser Land gerade noch verkraftbar. Deutschland könnte ein Ausscheiden der Krisenstaaten aus dem Euro erzwingen, wenn es sich der Bankensanierung in Südeuropa mit deutschem Steuerzahlergeld und Sparervermögen verweigert, und zugleich darauf hinwirkt, dass die bestehenden Finanzierungskanäle für die Krisenstaaten (Euro-Rettungsschirm, Staatsanleihenkäufe der EZB, TARGET2-Kredite) geschlossen werden. Das wäre erstens kein diplomatischer Affront, sondern nur die Rückkehr zu Recht und Gesetz, gemäß dem Maastrichtvertrag. Und zweitens würde der Ausstieg auch den meisten Menschen in diesen Ländern nutzen. Die Krisenstaaten würden mit ihrer neuen Währung abwerten und dadurch könnte die Wirtschaft in diesen Ländern endlich wieder Tritt fassen. Nur die Politiker, die Banken und teilweise der Beamtenapparat wären dort die Verlierer. Für die deutschen Politiker kommt diese Teilabwicklung der Eurozone allerdings nicht in Frage, denn das wäre ja eine schwere Freveltat gegen ihre Euro-Religion.

Euro-Rettung bedroht Demokratie und Frieden in Europa
Dabei wäre eine Teilabwicklung der Währungsunion ein Segen für unseren Kontinent: Eine Teilabwicklung würde auch die Gefahren für unsere Demokratie, unseren Rechtsstaat und den Frieden in Europa bannen, die von dem Gang in die Schulden- und Transferunion ausgehen. Schon jetzt ist der Frieden in Europa bedroht, weil der Euro die guten Beziehungen der Völker untereinander in Schuldner-Gläubiger-Verhältnisse überführt hat, was zu erheblichen Spannungen führt. Mit dem Gang in eine Transferunion würden diese Spannungen massiv zunehmen. Außerdem würde die Transferunion zwangsläufig mit einer politischen Zentralisierung einhergehen. Es droht der Gang in die Postdemokratie, in der ein vollkommen verselbständigter bürokratischer Apparat über 300 Millionen Europäer herrscht.

Die Langfassung des „Euro-Desasters“ hat 75 Seiten. Es handelt sich um eine auch für ökonomische Laien gut lesbare Gesamtanalyse der Euro-Krise.
Gratis-Download unter:
http://www.afd-hessen.org/wp-content/uploads/2013/09/Das-Euro-DesasterV2_2013-September.pdf

Danke  Matthias Elbers!

Markus

Möchtest Du diesen Beitrag teilen?

Prof. Dr. Hans J. Bocker – Quo vadis, Geldsystem? Februar 2013

Prof. Dr. Hans J. Bocker – Quo vadis, Geldsystem?

13.02.2013 07:07 Uhr | Prof. Dr. Hans J. Bocker

In unserer modernen Welt wirtschaftlicher Scheinblüte mit Volksbeglückung auf Pump, Banker-Korruption, massiver Verfälschungen amtlicher Statistiken bis hin ins Groteske, Rettung längst bankrotter Banken, Stopfen von schwarzen Löchern kippender Konzerne und großer maroder Unternehmen – ja ganzer Länder, fällt es immer schwerer, Gelassenheit zu bewahren. Die rechtfertigenden Begründungen wie „too big to fail“ werden zunehmend dummdreister. Das Ganze geht natürlich zu Lasten der Steuerzahler oder nachfolgender Generationen. Vereinzelte Kritik schwacher Stimmen bleibt wirkungslos. Dies umso mehr, als eine weitgehend desinteressierte und im Brot- und Spiele-Dunstkreis eingelullte Bevölkerung erst dann aufzuwachen scheint, wenn die Gespenster der Verarmungs- und Verelendungsprozesse an der eigenen Tür anklopfen. Der Dauerregen gezielter Desinformationen und die täglichem Breitseiten großkalibriger Beruhigungspropaganda haben bis zu diesem Zeitpunkt ihre fatale Wirkung getan……..mehr…..

Dieser Artikel ist wiedereinmal ganz besonders Lesenswert. Danke Prof. Dr. Bocker.

Markus

Möchtest Du diesen Beitrag teilen?

Hohe Staatsschulden und Enteignung à la Zypern: Folgen der teuren Euro-Rettung: Droht auch Deutschlands Sparern eine Zwangsabgabe? – Teure Bankenrettung – FOCUS Online – Nachrichten

Hohe Staatsschulden und Enteignung à la Zypern: Folgen der teuren Euro-Rettung: Droht auch Deutschlands Sparern eine Zwangsabgabe? – Teure Bankenrettung – FOCUS Online – Nachrichten.

Da sollten nicht nur die vermögenden Bürger hellhörig werden, sondern selbst der Kleinsparer sollte hier die Ohren spitzen. Es wird an alle Vermögen gehen und der Staat wird seinem Bürger nur so viel belassen, wie es zur Abwendung einer Revolution von Unten erforderlich ist. Noch vor 20. Jahren hätte man derartige Pläne in das Reich des Kommunismus verbannt. Doch es geht hier schon längst nicht mehr um Kommunismus oder Kapitalismus, sondern schlicht um die totale Gefügigmachung des Bürgers, die Versklavung des Bürgers auf ganz subtile und zu gleich subversive Art und Weise. Somit geht es ganz eindeutig in die Richtung des Orwellschen Überwachungsstaates, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung eines Minimums an Wohlstand. Solange der Bürger in seiner Mehrheit nicht dagegen aufbegehrt, wird das Orwellsche System Wirklichkeit werden. Dann allerdings wird dem Bürger bereits auch die Möglichkeit genommen worden sein, aufzubegehren. Die Weltregierung, kommt! Nur George lächelt!!!

Markus

Möchtest Du diesen Beitrag teilen?

Rat der Europäischen Union rät den Mitgliedstaaten, bei Finanzermittlungen den heimischen Datenschutz zu unterlaufen

Rat der Europäischen Union rät den Mitgliedstaaten, bei Finanzermittlungen den heimischen Datenschutz zu unterlaufen.

Finanzermittlungen sind bei Netzpolitik vorwiegend unter dem Aspekt der Weitergabe von Daten aus Finanztransaktionen an die USA behandelt worden. Die Begehrlichkeiten der US-Behörden und das Gerangel um den Abschluss des SWIFT-Abkommens unter Aushöhlung des EU-Parlaments illustrieren die tatsächliche Bedeutung dieser Daten. Mit ihnen können Abweichungen von Einnahmen und Ausgaben abgeglichen und dadurch Auffälligkeiten aufgespürt werden (die auch in Deutschland in Mode kommende, sogenannte “Al Capone-Methode”).

aus https://netzpolitik.org

das könnte sie in diesem Zusammenhang auch interessieren!!!

Markus

Möchtest Du diesen Beitrag teilen?